Politische Bildung am BGM

Politische Bildung am BGM

Gemäß Artikel 131 der Bayerischen Verfassung sollen die Schülerinnen und Schüler an allen Schularten in Bayern zur „Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, [zu] Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt“ erzogen werden. Darüber hinaus sind sie „im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung“ zu bilden. Dieser Artikel ist die Grundlage für die politische Bildung an bayerischen Schulen und legt bereits dar, dass der Begriff politische Bildung viel mehr umfasst als das Verstehen des politischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland, nämlich u. a. geschichtliche Bildung, kulturelle Bildung, interkulturelle Bildung, soziales Lernen, sprachliche Bildung und  Medienbildung/Digitale Bildung. Besonders der Medienbildung wird in Zeiten einer sich medial rasant verändernden Welt eine immer größere Bedeutung zugeschrieben, um die durch Medien vermittelte gesellschaftliche und politische Wirklichkeit kritisch zu reflektieren. Das übergeordnete Ziel der politischen Bildung, welche in allen Fächern Beachtung findet, ist, dass die zukünftigen Erwachsenen demokratiefähige und mündige Bürger werden, die sich aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen. Damit dies erreicht werden kann, ist es jedoch wichtig, den Jugendlichen die notwendige Orientierungs-, Handlungs-, Urteils- und Methodenkompetenz zu lehren. Ferner muss in einem pluralistischen Staat die Konfliktfähigkeit geschult werden, ohne die eine demokratische Ordnung nicht bestehen kann.

Das Burkhart-Gymnasium Mallersdorf-Pfaffenberg versucht seit vielen Jahren, seine Schülerinnen und Schüler als politisch aufgeklärte und selbstständige Bürger in ihre Zukunft zu entlassen. Dazu existieren am BGM neben entsprechenden Inhalten im klassischen Unterricht verschiedene Aktivitäten. So beginnt bereits in der fünften Jahrgangsstufe (bis zur 9. Klasse) das von StDin Dorothea Stephan initiierte Projekt mit dem Titel „Prävention im Team“ (PIT), welches sich in Form von schüleraktivierenden Workshops in Zusammenarbeit mit der Polizei sowie externen Experten Themen widmet, wie z. B. Mobbing, Gewalt, Umgang mit neuen Medien und Zivilcourage. Ebenso sollen ab der fünften Jahrgangsstufe sukzessive ein Demokratieverständnis sowie ein Gefühl für die Übernahme von Verantwortung aufgebaut werden. Dafür erlernen unsere Kleinsten schon mit der Wahl der Klassensprecher und der folgenden Klassensprecherschulung, wie Demokratie grundsätzlich funktioniert. Überdies wird mittels der Schulvereinbarung, welche das Zusammenleben innerhalb der Schulgemeinschaft regelt und einen Wertekanon beinhaltet, aufgezeigt, dass gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt voreinander die Voraussetzung ist, um in einer harmonischen Gemeinschaft leben zu können. Das bedeutet allerdings nicht, dass kontroverse Meinungen nicht geäußert werden dürfen, sondern dass gegenteilige Ansichten der Ausgangspunkt für eine Kompromissfindung sind. Der Austausch von Argumenten steht auch im Wahlfach Jugend debattiert, welches ab der achten Jahrgangsstufe angeboten wird, im Mittelpunkt. Dabei setzen sich die Teilnehmer mit konträren Positionen zu aktuellen Fragen auseinander, wodurch die Sensibilität für eine multiperspektivische Betrachtungsweise in einer pluralistischen Gesellschaft geschult wird. Ab der neunten Klasse können sich unsere Schülerinnen und Schüler außerdem von Herrn StR Alexander Plank zu Schulsanitätern ausbilden lassen, um im Bedarfsfall Hilfestellung zu leisten, was dem gesellschaftlichen Miteinander auch in späteren Jahren zugutekommen wird.

Der kulturellen Bildung wird insofern Rechnung getragen, dass schon in der Unterstufe Theateraufführungen in englischer und französischer Sprache, welche an der Schule aufgeführt werden, stattfinden. Natürlich werden vor allem in der Oberstufe ebenso Theateraufführungen besucht, wenn die zu erreichenden Theater ein entsprechendes Angebot aufweisen. Kulturelle Bildung impliziert aber desgleichen musikalische Aufführungen, welche am BGM seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit sind. Man denke nur an die stets gut besuchten Kammer-, Weihnachts- und Sommerkonzerte, die immerzu musikalische Einflüsse aus aller Welt in das Programm aufnehmen, wodurch das Verständnis für andere Kulturen gefördert wird. Diesem Zweck dienen selbstredend außerdem die Austauschprogramme am BGM. Dafür wurde der Schüleraustausch nach Frankreich wieder ins Leben gerufen und der Austausch mit unseren Partnern in den USA stellt für die Schülerinnen und Schüler ein besonderes Highlight in ihrem Schulleben dar, vor allem wenn sie in den USA geschichtsträchtige sowie politisch bedeutsame Städte wie Washington und Philadelphia besichtigen und mit den amerikanischen Gepflogenheiten in Kontakt kommen.

Eine gefestigte politische Bildung impliziert weiterhin Elemente der Erinnerungskultur. Diesem Anspruch wird das BGM in besonderer Weise durch eine Vielzahl von Exkursionen, die sich am jeweiligen Lehrplan der Jahrgangsstufen orientieren, gerecht. So informieren sich beispielsweise die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen im Armeemuseum in Ingolstadt über den Ersten Weltkrieg. Zweifelsohne muss auch die Zeit des Nationalsozialismus mit den Jugendlichen aufgearbeitet werden. Zu diesem Zweck besuchen die Jugendlichen der neunten Klassen die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg und den Schülern der Oberstufe werden mit der Besichtigung des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg der Größenwahn und die Funktion der Propaganda während der NS-Zeit bewusst. Eine weitere Form der NS-Propaganda wird darüber hinaus an der Schule thematisiert, wenn ein externer Experte zusammen mit den Schülerinnen und Schülern Spielfilme, welche im Auftrag der NSDAP gedreht wurden, analysiert. Gewiss ist die Bundeshauptstadt Berlin ein besonderer Ort der Erinnerungskultur. Das BGM ist bestrebt, den Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen im Rahmen der alljährlichen Berlinfahrt die Bedeutung historischer Orte, die dort auf wenigen Quadratkilometern zu finden sind, näherzubringen. Dazu zählen unter anderem die Gedenkstätte des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen, die Stasi-Zentrale, der Flughafen Tempelhof, das Berliner Olympiastadion, ein Atomschutzbunker aus der Zeit des Kalten Krieges, das Deutsch-Russische Museum Karlshorst, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Holocaust-Mahnmal. Berlin ist aber ebenso die Stadt, in der politisches Wirken erfahrbar wird. Deshalb ist es den Organisatoren der Fahrt ein Anliegen, möglichst viele Institutionen, in denen deutsche Politik „gemacht“ wird, zu erkunden. Neben dem Bundestag, dem Bundeskanzleramt und dem Bundesrat, die schon traditionelle Ziele der Berlinfahrt sind, werden die Jugendlichen im Jahre 2019 zum ersten Mal auch durch ein Ministerium geführt, nämlich durch das Bundesfinanzministerium. Die jungen Erwachsenen kommen jedoch genauso in ihrer „Heimat“, dem Schulgebäude, mit aktuellen politischen Entwicklungen und Entscheidungen in Berührung, etwa wenn sie sich an der Juniorwahl beteiligen, sich mit einem Bundestagsabgeordneten austauschen, einen Workshop zum Thema Rechtsextremismus durchlaufen, dem sich ein Gespräch mit einem Aussteiger aus der Neonazi-Szene anschließt, oder von Dr. Markus Hünemörder (LMU München) Einschätzungen zur gegenwärtigen Politik in den USA erhalten. Trotz dieser schon vorhandenen Fülle an Aktivitäten, die zur politischen Bildung beitragen, werden die Lehrkräfte des BGM natürlich stets die aktuellen Entwicklungen im Blick haben und das diesbezügliche Programm anpassen bzw. erweitern.

StR Christoph Kornbichler